3000 Computerfachleute fehlen allein in Oberösterreichs Betrieben

In den OÖ. Nachrichten nimmt Fachgruppen-Obmann Markus Roth zum Fachkräftemangel im IT-Bereich Stellung:

Fachgruppenobmann fordert radikales Umdenken, um Industriestandort zu sichern.

Das Problem ist nicht neu, doch statt besser wird es schlimmer: der Fachkräftemangel im Bereich der Informationstechnologie. „Allein in Oberösterreich fehlen 3000 Computerfachleute, in ganz Österreich mindestens 10.000“, sagt Markus Roth, Obmann der oberösterreichischen Fachgruppe Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie. Heimische IT-Unternehmen weichen mit Standorten nicht mehr nur nach Osteuropa aus, sondern strecken ihre Fühler bereits nach exotischen Standorten in Afrika aus.Das Problem verschärft sich dadurch, dass durch die Digitalisierung aller Lebensbereiche auch die Industrie und der Handel zunehmend Hard- und Softwareexperten im großen Stil benötigen. Die klassischen IT-Firmen finden somit noch schwieriger Personal. Dazu kommt, so Spartengeschäftsführer Gernot Fellinger, dass das Damoklesschwert der Strafen für die korrekte Beschäftigung von externen IT-Mitarbeitern nach wie vor über den Betrieben schwebe.

Zwei Stimmen aus der Branche zum Fachkräftemangel:

Einerseits der Geschäftsführer des jungen Linzer Software-Unternehmens Gepardec mit 25 Mitarbeitern, Günter Pirklbauer, der den nicht leichter werdenden Mangel an IT-Kräften bestätigt. Er sucht aktuell fünf Mitarbeiter. „Große namhafte Unternehmen agieren bei den Bildungseinrichtungen wie Staubsauger. Und Industrieunternehmen und große Maschinenbauer aus Oberösterreich suchen wegen des Internet-of-Things-Booms viele Fachkräfte.“ Also will er schneller sein und die Studenten und Schüler früher rekrutieren. Auch überregional und in grenznahen Gebieten zu fischen sowie den Mitarbeitern Gratis-Wohnungen in Linz anzubieten, wird überlegt.

Eine andere Stimme repräsentiert die eingesessene Industrie: Siemens-Oberösterreich-Chef Josef Kinast. Er spricht ebenfalls von einem „eklatanten Fachkräftemangel“. Bei weitem sind nicht nur kleine Unternehmen betroffen. „So groß wie heuer war die Not noch nie.“ Für die 30 Siemens-Lehrstellen für Elektrotechnik, Elektronik und Mechatronik ab September sind erst 15 Lehrlinge gefunden. Kinast erwartet sich viel von der kürzlich präsentierten dualen Akademie, in der Maturanten etwa die Mechatronik-Lehre machen. Siemens OÖ sucht derzeit 40 IT-Techniker.

Catalysts in Uganda

Das Linzer Software-Unternehmen Catalysts hat tendenziell weniger Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden, weil es mit Maßnahmen wie Programmierwettbewerben ohnehin innovativ in der Mitarbeitersuche ist. Dennoch sagt Geschäftsführer Christoph Steindl, den die OÖN in Uganda erreichten: „Ein guter Teil des Wachstums von Catalysts wird außerhalb Österreichs passieren, auch wegen des Fachkräftemangels.“ Er will in Uganda ein zweites Catalysts aufbauen, vorerst für regionale Projekte. „Aber natürlich wird es einen Austausch mit Österreich geben.“ Die Linzer betreiben bereits einen Standort in Rumänien.

Quelle: OÖ. Nachrichten, Ulrike Rubasch